1. 20. Die Kommunikation als Handlung

Kommunikation ist in den reellen Reichen von Handlung nicht zu unterscheiden. Beim Menschen erscheint diese Verbindung in Form von nonverbaler Kommunikation. Der Austausch von Empfindungen durch Mimik, Gestik und Sprachmelodie erfolgt oft unbewusst aber problemlos wegen des gemeinsam gegebenen Kontextes im Bereich der eng verbundenen reellen Reiche. Im Reich der RESSOURCEN und insbesondere in den imaginären Reichen, in denen die Information von der Energie getrennt ist, bekommt die Kommunikation eine besondere Rolle. Sie stellt über die Gräben der Getrenntheit der physikalischen Form Möglichkeiten der Verbindung her.

Die Voraussetzung von Kommunikation ist ein gemeinsamer Kontext von Sender und Empfänger von Nachrichten. Bei Ausrichtung des Bewusstseins auf die Form kann es durch die individuellen Aspekte der Wahrnehmung, der Erkenntnis und der Interpretation von Formen zu Kommunikationsproblemen kommen.

Kommunikation von Formen kann in diesem Prozessmodell prinzipiell durch Selektion von Elementen gemeinsamer Wirklichkeit bzw. Möglichkeit erfolgen. In den reellen non-dualen Reichen der EXISTENZ, der PERSONALITÄT und der REGELN geschieht dies immer in Einheit mit der entsprechenden Empfindung. Erziehung oder Therapie ohne Vermittlung von Empfindung der gewünschten Zustände kann daher nicht erfolgreich sein.

Ab dem Reich der RESSOURCEN ist Information von Energie getrennt. Die Kommunikation erfolgt als Selektion aus einem zwischen Sender und Empfänger geteilten Formen- und Sinn-Vorrat. Die Annahme von Energie bzw. Empfindung obliegt der Entscheidung des empfangenden Geist-Leibes im Reich der REGELN, wo Information und Energie wieder zusammengeführt wird.

Der elementare Akt der Selektion ist das „Zeigen“. Die Aufmerksamkeit des Empfängers im Akt des Rezipierens (Prozessphase 7) wird durch den Sender beim Zeigen auf einen bestimmten Punkt in der wirklichen oder zumindest möglichen Umwelt gelenkt. In der weiteren Entwicklung wird aus dem Zeigen das Vorspielen von Szenen, die bildnerische Darstellung bis hin zum bewegten Fernsehbild.

Eine Kommunikation über Unmögliches, d. h. Undenkbares, Unvorstellbares ist nach diesem Modell nicht möglich. Wir bemerken diese Einschränkung als „Unverständnis“.

Auch bei sprachlicher Kommunikation werden selektierte Bilder kommuniziert, die jedoch ein zweites Mal sequentiell kodiert und vom Empfänger dekodiert werden müssen. Man kann Sprache daher auch als sequentielles Bild eines Bildes bezeichnen. Durch die zweifache Kodierung ergibt sich der Nachteil der Abbildungsunschärfe der Wirklichkeit. Dem gegenüber steht der Vorteil der symbolischen Verdichtung von Sprache, welcher gut mit der symbolischen Repräsentation der Wirklichkeit in den reellen Reichen korrespondiert und die Integration in die eigene Bedeutungswelt erleichtert.

Symbolische Kommunikation vermittelt Qualitäten in den Kontexten der vormateriellen Reiche durch Entsprechungen, Resonanzen oder Kontraste.

Im Gegensatz zum passiven Rezipieren von Umwelt enthält Kommunikation immer die Möglichkeit von Missverständnissen wegen subjektiv unterschiedlicher Wirklichkeitsauffassungen und die Möglichkeit der Manipulation. Kommunikation bedarf deshalb gegenüber einfacher Wahrnehmung immer der zusätzlich erforderlichen Annahme oder Ablehnung der Selektion und der Interpretation (Phase 8) des Senders. Weil Kommunikation aber dem zweifachen Risiko der Täuschung (auf Senderseite und auf Empfängerseite) unterliegt, müssen Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden.

Diese bestehen in der Einbettung der bewusst kommunizierten Nachricht in das Umfeld der sinnlichen Wahrnehmung, die Informationen aus allen Reichen enthält, soweit sich diese im Reich der RESSOURCEN präsentieren.

Die Bewertung der empfangenen Informationen erfolgt dabei hierarchisch entsprechend der Dynamiken der Reiche:

Die Besonderheit der sprachlichen Kommunikation besteht darin, dass auf Grund der Symbolhaftigkeit der Sprache wie auch der Instanzenstrukturen ein Strukturaustausch zwischen Instanzen von Kommunikationspartnern einfach erfolgen kann, ohne dass der gewöhnliche Handlungs- und Wahrnehmungspfad durchlaufen werden muss.

Es kann z. B. eine Abwägung oder ein Plan kommuniziert werden, ohne ihn durchzuführen. Auch Wissen, Werte und Bedeutungen können als Kopie übernommen werden, ohne die Widerspruchsfreiheit zwischen den Instanzen zu prüfen.

Voraussetzung ist die Öffnung der aktiven Seite der Instanz auf der Senderseite bzw. eine Integration der vermittelten Strukturen auf der Wahrnehmungsseite der Instanz bei Aufnahme von kommunizierten Strukturen.

So werden in frühen Sozialisationsphasen Werte internalisiert, ohne deren Bedeutung zu erkennen. Wissen wird vermittelt, das nicht selbst dekodiert, dessen Bedeutung nicht festgestellt und das nicht angewandt wurde. An diesen Stellen der Instanzenstruktur entstehen bei Belastungen des handelnden Organismus Schwachstellen, die zu Dissoziierung führen können. Auch die Entstehung des ICH-Bewusstseins kann als Übernahme von Selektion signifikanter Anderer beschrieben werden.

Bei bildlicher Wahrnehmung ist eine direkte Instanzenkommunikation über symbolische Korrespondenzen in eingeschränkter Weise auch möglich und führt dazu, dass Symmetrie, Farben und Zeichen direkt mit Bedeutung versehen werden können. Der Bildjournalismus hat wie die bildende Kunst diese Art der Kommunikation kultiviert.

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