Das folgende Kapitel wendet die in den Kapiteln 5 bis 12 beschriebenen Prozessontologie auf die Modellierung von menschlicher Handlung und Wahrnehmung an. Der betrachtete Ausschnitt unseres Modells umfasst dabei die Reiche „REGELN“ und „RESSOURCEN“. Wie die Prozesse auf der Regel-Seite sind die Prozesse auf der Ressourcenseite bei dieser Anwendung physiologisch als Denkprozesse anzusehen. Erst das agieren in Phase 3 der Handlungstriade wirkt auf die physikalische Welt.
Die Verbindung dieser beiden Reiche nennen wir den „Handlungszyklus“. Während die im vorgelagerten Reich der PERSONALITÄT entstehenden ausgerichteten Interessen einer Person oder gar ihre Werte im Reich der EXISTENZ relativ stabil sind, ist der Handlungszyklus, in dem die Person mit der Welt interagiert, in ständiger Bewegung und Veränderung. Fast unsere ganze Aufmerksamkeit wird von unseren Handlungs- und Wahrnehmungsphasen in Anspruch genommen1. Das Bewusstsein für diese 12 Phasen des Handlungszyklus ist deshalb für die Gestaltung vieler Prozesse in unserem Alltag grundlegend. Das Modell des Handlungszyklus wird im Folgenden aus dem Modell der sieben Reiche abgeleitet und dann in die betreffenden psychologischen Kriterien transformiert (siehe auch die Anwendungsbeispiele in den folgenden Kapiteln).
Zunächst spannen wir das Feld zwischen dem Reich der PERSONALITÄT und der physikalischen und sozialen Umwelt der Person mit Hilfe der bekannten Dynamiken der PERSONALITÄT: „Absicht“ und „Erwartung“ auf:
PERSONALITÄT |
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< Absicht |
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Erwartung > |
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Physikaliche Umwelt / GEMEINSCHAFT |
Die Absicht erscheint auf der Ebene der REGELN als „Motivation“, auf der Ebene der RESSOURCEN als „Handlung“. Im passiven Pfad erscheint im Reich der RESSOURCEN die Erwartung als „Wahrnehmung“, die im Reich der REGELN auf ihre Relevanz für die Bestimmung der Persönlichkeit „bewertet“ wird. Damit haben wir die vier Dynamiken der beiden Reiche „REGELN“ und „RESSOURCEN“ platziert:
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PERSONALITÄT |
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<<< Absicht |
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Motivation |
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Bewertung |
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Erwartung >>> |
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Reich der REGELN |
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Handlung |
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Wahrnehmung |
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Reich
der |
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Physikaliche Umwelt / GEMEINSCHAFT |
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Motivation und Bewertung erfolgen ressourcenfrei nach den Grundsätzen des Reiches der REGELN. Wahrnehmung und Handlung erfolgen ressourcengebunden2. Im Zusammenspiel der beiden beteiligten Reiche wird die Bestimmung der Person in Handlung umgesetzt und das Handlungsergebnis auf die eigene Bestimmung bezogen.
Um das allgemein formulierte Modell der beiden betreffenden Reiche und ihrer Qualitäten auf die menschliche Psychologie anzuwenden, führen wir in einem weiteren Schritt pro Triadenelement je eine Instanz ein, welche die Qualität des Triadenelementes auf die spezielle psychologische Kategorie (hier menschliches Handeln) anwendet:
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PERSONALITÄT |
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Instanzen |
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Triaden- Elemente |
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<<< Absicht |
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Motivation (Bedürfnis) |
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Bestimmung |
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Bewertung (Relevanz) |
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Erwartung >>> |
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Subjekt |
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Reich der REGELN |
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2 |
Herausforderung |
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Objekt |
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3 |
Bedeutung |
10 |
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Gesetz |
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Handlung (Mittel) |
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Wissen |
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Wahrnehmung (Sinn) |
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Energie |
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Reich der RESSOURCEN |
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5 |
Botschaft |
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Fluss |
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Fakten |
7 |
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Form |
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Physikalische Umwelt / GEMEINSCHAFT |
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Instanzen sind Strukturelemente, an denen entlang in der Folge 1 bis 12 die Prozessschritte des Handlungs- und Wahrnehmungsprozesses ablaufen. Sie bestimmen die Qualität der Prozessverarbeitung und speichern erfolgreiche Lösungsmuster als Paradigmen für künftige Handlungen oder Wahrnehmungen. Durch Erfahrung steigt die Komplexität der Instanzen. Aufgabe der Instanzen ist es, bei der Steuerung der Aktivität in Form von Motivation oder Handlung (aktive Dynamik) die gleichen Kriterien wie bei der Bewertung des Handlungsergebnisses (passive Dynamik) anzuwenden.
Im non-dualistischen Reich der REGELN sind die Instanzen symbolisch zu interpretieren, d. h. als Einheit von Energie und Form. Im dualistischen Reich der RESSOURCEN prozessieren die Instanzen die energetischen Aspekte und die formalen Aspekte getrennt. Die Energie der Entscheidung auf der Handlungsseite wird durch Wissen, Informationen und Signale gelenkt. Jedes Wissen auf der Wahrnehmungsseite wird durch die Erwartungsspannung aus Signalen und Informationen komponiert.
Eine Handlung wird eingeleitet, indem das ausgerichtete Interesse der Person in die Instanz der Bestimmung eintritt und dort Motivation (1 bis 3) erzeugt. Die Handlung erfolgt in den Phasen 4 bis 6 durch Auswahl und Einsatz der Mittel. Das Handlungsergebnis wird in den Phasen 7 bis 9 wahrgenommen, dekodiert und in den Phasen 10 bis 12 bewertet.
Eine erfolgreiche Handlung schaltet über den passiven Pfad der Wahrnehmung und Bewertung den interessengeleiteten Impuls der Person in der Bestimmungsinstanz ab.
Kann ein Impuls dauerhaft nicht in Handlung umgesetzt werden, entsteht Frustration als psychologische Inversionslage. Zunächst sinkt die Motivation des Regelreiches, dann richtet sich die Aktivität gegen die Absicht und damit gegen die Persönlichkeitsstruktur.
Wird diese in Frage gestellt, suchen wir unsere Existenz im überpersönlichen Reich zu bewahren. Der Frieden, den viele im Angesicht des Todes spüren, entstammt dem Zwang der Auflösung der Identifikation mit unteren Reichen in einer existentiellen Inversionsphase.
Nachdem wir die Qualität der Triadenelemente in menschliche Instanzen transformiert haben, differenzieren wir nun die Qualität der Dynamiken der beiden Reiche in Zuordnung zu den Instanzen. Es entstehen 12 Handlungs- bzw. Wahrnehmungsphasen, deren Bezeichnung sich am menschlichen Handeln und Wahrnehmen orientiert.

Handlung wird von den Phasen 1 bis 3 als Selektion von Bedürfnissen, in den Phasen 4 bis 6 als Selektion von Mitteln prozessiert.
Wahrnehmung wird von den Phasen 7 bis 9 als Selektion von Sinn, von den Phasen 10 bis 12 als Selektion von Relevanz prozessiert.
Zusammenfassung der Modellkonstruktion des Handlungszyklus:
Das Modell wendet die Prinzipien des Reiches der REGELN und des Reiches der RESSOURCEN auf die Organisation der menschlichen Aktivität an. Es verbindet mittels der in Kapitel 4 eingeführten numerologischen Prinzipien das Reich der Persönlichkeit mit dem Reich der externen Ressourcen oder Formen bzw. bei sozial relevanten Handlungen mit dem GEMEINSCHAFTS-Reich. Im aktiven Pfad wird der Widerspruch zwischen dem bestimmungsgemäßen Aktivitätsimpuls und den inhärenten Hemmungen zum unbestimmten Lösungsfeld der Bedeutung aufgespannt. Die entstehende Spannung wird durch die Entscheidung gelöst, die auf dem Wissen über die Umwelt, dem Zielort der Handlung, beruht.
Die aus der Werteorientierung des EXISTENZ-Reiches entstammende Interessenlage der Person wird in diesem Ausschnitt als stabil angenommen.
Die Dynamik des Prozesses verläuft entsprechend der Phasen 1 bis 12 aktiv entlang der Instanzen von der Motivation zur Handlung und passiv zurück von der Wahrnehmung zur Bewertung.
Die drei inneren Instanzen beziehen sich auf die auszudrückende persönliche Bestimmung. Diese steuert die Motivation der Handlung und bewertet die Wahrnehmung im Kontext der Erreichung entsprechender Ziele. Energie und Form sind eine Einheit.
Die äußere Triade bezieht sich auf die Fakten des RESSOURCEN-Reiches. Sie steuert die Ausrichtung der Handlung auf Basis umgebungsbezogener Wahrnehmung. Energie und Form (Information) sind getrennt. Die Bestimmung der inneren Triade wird dabei in einem Feld von Handlungsoptionen konkretisiert.
Eine typische Wahrnehmung nimmt in Phase 7 sensorische Reize aus der Umgebung bzw. aus dem Körper auf und prozessiert diese über die Instanzen bis zur Phase 12, wo bei Erfordernis ein Aktivitätsimpuls generiert wird oder dieser bei erfolgreicher Handlung abgeschaltet wird.
Eine typische Handlung wird von einem Aktivitätsimpuls angeregt, der dem personellen Reich bzw. dem Wahrnehmungspfad entstammt. In den Phasen 1 bis 6 prozessieren die Instanzen diesen so, dass der Aktivitätsimpuls nach dessen Verarbeitung jeweils vollständig zur nächsten Handlungsphase geleitet wird. Der eigentliche Handlungsakt erfolgt durch Austritt des Aktivitätsimpulses in die Triade der Handlungsumgebung.
Alle 4 Triaden sind jeweils nach den numerologischen Prinzipien organisiert, die der Qualität der 1, 2 bzw. 3 entsprechen. Zwischen den Phasen 3 und 4 sowie 9 und 10 befindet sich der Abgrund der sich zwischen allen Reichen auftut – hier in der Kluft zwischen Handlungsoptionen und Entscheidung bzw. Wissen und Verstehen.
Beschreibung der Instanzen:
Die sechs Instanzen verbinden als aktive und lernende Strukturelemente jeweils die gegenüberliegenden Handlungs- und Wahrnehmungsphasen eines Triadenelementes miteinander. Funktionelle Aufgabe der Instanzen sind die Abbildung der Umwelt des Handelnden, die Simulation von Handlungsoptionen, die Bewahrung von Regeln und die Evaluation von Szenarien, Regeln und Bedeutungen im Kontext von Bestimmung und Zielen für deren Umsetzung. Im Zuge eines Prozesses führen sie den jeweiligen Prozessschritt entsprechend ihrer Qualität aus.
Die Instanzen sind aufeinander so bezogen, dass sie in Richtung von innen nach außen stufenweise Bedürfnisse (1 - 3) und Absichten (4 -6) prozessieren. Von außen nach innen prozessieren sie Sinn (7 - 9) und Relevanz (10 - 12). Jede Instanz selektiert und verdichtet dabei die Ergebnisse ihres Vorgängers nach den Regeln der jeweiligen Triadenelemente. Die drei inneren Instanzen beziehen Bedürfnisse und Relevanz auf das Subjekt (im Anwendungsfall der Handlung die Bestimmung des Menschen). Die drei äußeren Instanzen beziehen Sinn und Mittel (zur Handlung) auf die Umgebung. Die qualitative Verbindung der Instanzen folgt den Gesetzmäßigkeiten der erweiterten Dialektik (siehe Kapitel 4). Jede Instanz soll möglichst ihre Balance zwischen Motivation und Bewertung bzw. Handlung und Wahrnehmung aufrechterhalten. Dazu muss sie auf der aktiven Seite die gleichen Kriterien anwenden wie auf der passiven Seite. Innerhalb einer Triade haben die Instanzen das Bestreben, die auftretenden Widersprüche auszugleichen. Zwischen den Triaden soll die Konkretisierung der aufgetretenen Widersprüche möglichst ohne Inversion (Rückfluss von Aktivität im Handlungspfad) erfolgen, um die Kohärenz des Gesamtsystems aufrecht zu erhalten.
Bestimmung (numerologisch der Wert 1)
Die Bestimmung einer Person entsteht durch die Konkretisierung des Interesses einer Person im Reich der REGELN. Als Subjekt steht die Bestimmung den objektiv vorhandenen Einschränkungen des Regelreiches gegenüber. Diese Regeln definieren die Form, in der sich das Interesse einer Person veräußern kann. Die Bestimmung ist in dieser Instanz noch als statisch betrachtet werden. Im passiven Pfad belebt die Bestimmung durch Akzeptanz des Handlungsergebnisses das im Reich der RESSOURCEN gefestigte Urbild des statischen Bestimmung (identisch mit dem Energie-Körper).
Die Bestimmung ist damit das Subjekt des „geistigen Leibes“ der Person im Reich der REGELN. Im aktiven Pfad definiert die Bestimmung, wie das Interesse im Reich der REGELN konkretisiert werden soll.
Herausforderung (numerologisch der Wert 2)
Die Herausforderungsinstanz entspricht dem Objekt des Regelreiches, d. h. der Antithese des Subjektes und der Bestimmung. Hier werden Ziele und Widerstände zur Umsetzung der Bestimmung definiert und gegeneinander abgewogen. Die Herausforderungsinstanz differenziert zwischen „höheren“ und „niedrigen“ Zielen bei der Umsetzung von Interessen und den ihnen entgegenstehenden inneren Widerständen bis zu den jeweils zu Grunde liegenden polaren Basiskonflikten. Die Herausforderungsinstanz ist wie die Bestimmung symbolisch und ressourcenfrei organisiert.
Bedeutung (numerologisch der Wert 3)
Die Instanz der Bedeutung als das Gesetz des Regelreiches erzeugt die Synthese zwischen Bestimmungsziel und hemmender Herausforderung in Form eines unbestimmten Feldes von Bedeutungen.
Auch Bedeutungen haben noch symbolischen und ressourcenfreien Charakter. Im passiven Pfad vermittelt die Bedeutung dem Wissen (aus dem Reich der RESSOURCEN) einen Wert, indem es das Wissen auf die zu bestehende Herausforderung und die Bestimmung bezieht3. Die saugende Energie der Erwartung und das Verstehen werden zum Gefühl der Bedeutung zusammengeführt.
Im aktiven Pfad erzeugt diese Instanz unbestimmte Möglichkeitsfelder von bedeutenden Handlungsoptionen gemäß der numerologischen Regeln der „3“. Jede theoretisch mögliche Handlungsoption definiert eine Lösungsmöglichkeit des Konfliktes zwischen Bestimmung und Herausforderung.
Wissen (numerologisch der Wert 4)
Wissen ist die erste Instanz des RESSOURCEN-Reiches. Sie entspricht der Energie der RESSOURCEN-Triade und konkretisiert die Unbestimmtheit der Bedeutungen im RESSOURCEN-Reich. Im aktiven Pfad ermöglicht Wissen konkrete Handlungsentscheidungen gemäß der Qualität der „4“. Im passiven Pfade integriert Wissen alle Informationen zu einem vollständigen Szenario der Außenwelt. Wissen trennt die Energie der Gefühle von der Information über die Außenwelt und überführt sie in Planungs- bzw. Handlungsenergie. Mit der Wissensinstanz wechselt die Organisation der Handlung von der Person zum Handlungspol.
Botschaft (numerologisch der Wert 5)
Die Botschaftsinstanz korrespondiert mit dem Fließen im Reich der RESSOURCEN. Sie prozessiert die Information auf der Wahrnehmungsseite und der Planungsaktivität auf der Handlungsseite. Information ist dabei nach der Definition des Wissensmanagements zu verstehen, wonach Daten für einen Zweck in einen Zusammenhang gestellt und dadurch mit Sinn versehen werden. Sie sind in unserem Sinne nicht nur Objekte der Wahrnehmung, sondern auch handlungsleitend, soweit sie für die planvolle Ausrichtung der in der Wissensinstanz getroffenen Entscheidung genutzt werden. Bei der Planung werden entsprechend der Qualität der „2" die einschränkenden Aspekte von Informationen über die Außenwelt als Feld des Handelns berücksichtigt.
Fakten (numerologisch der Wert 6)
Die Fakteninstanz korrespondiert mit dem Triadenelement der Form im Reich der RESSOURCEN. Diese Instanz ist Träger der Wahrnehmung von Signalen wie sie von den Sinnesorganen aufgenommen werden und Träger der Handlungsoptionen als Realisierung einer Entscheidung.
Die Wirkung der Handlung ist davon zu unterscheiden und ist der Umgebung zugehörig. Die Fakteninstanz ist der Ort des irreversiblen Aktivitätsüberganges im RESSOURCEN-Reich, also der Ort, an dem ein Akt unter Einsatz von Energie in Raum und Zeit stattfindet und an dem eine Berührung zur Umgebung des Handelnden besteht. Entsprechend der Trennung von Energie und Information trägt jede Handlung beide Aspekte getrennt in sich: Die Intensität der Handlung entspricht deren Energie. Ort und Art der Handlung entspricht deren Informationsgehalt.
Beschreibung der Handlungs- und Wahrnehmungsphasen:
Die Phasen des Modells werden typischerweise sequentiell in aufsteigender Reihenfolge durchlaufen: Von der Motivation zur Handlung, von der Wahrnehmung zur Bewertung. Entsteht der Handlungsimpuls in der Person, führt der Pfad aktiv von Phase 1 bis zu Phase 6 und passiv von Phase 7 bis zu Phase 12. Ist eine äußere oder innere Wahrnehmung der erregende Reiz, führt der Pfad von der 7 über die 12 und die 1 zur Phase 6.
Erregen (1)
In dieser Phase wird Aktivität in der Bestimmungsinstanz als Impuls wirksam. Die Aktivität stammt aus der Konkretisierung von Interessen des Reiches der PERSONALITÄT und wurde ggf. durch aufsteigende Wahrnehmung und Bewertung in der Bestimmungsinstanz ausgelöst. In der Phase der Erregung wird die Qualität des Aktivitätsimpulses mit der in der Bestimmungsinstanz gespeicherten Qualität verglichen. Der Bestimmung der Person entgegenstehende Impulse führen nicht zu einem Aktivitätszyklus, sondern werden blockiert und führen zur Inversion in der vorgelagerten Interesseninstanz des Personenreiches. Die Phase des Erregens wird als Motivation in Einheit mit seiner Bestimmung erlebt.
Abwägen (2)
Hat
der Aktivitätsimpuls die Phase der Erregung erfolgreich durchlaufen,
gelangt er in die Abwägephase. Hier wird er durch die
Herausforderungsinstanz auf ggf. entgegenstehende Bestimmungen bzw.
hemmende innere Widerstände geprüft. Die Argumente für und gegen
Ausführung und Hemmung werden qualitativ und quantitativ einander
gegenübergestellt. Bei einem typischen Triebverzichtskonflikt zielt
der Impuls auf Autonomie, während der Verzicht mehr Sicherheit durch
Einhaltung sozialer Normen bedeutet. Bei einem Angst- oder
Trägheitskonflikt zielt der Impuls auf die Realisierung von
Sicherheit, während soziale Normen zur Selbstüberwindung
auffordern.
Bei großer Diskrepanz der Intention des Impulses
zur Instanz der Herausforderung wird die Handlung hier abgebrochen
und die Impulsenergie führt zur Inversion. Setzt sich der Impuls
gegen das Abwäge-ergebnis der Herausforderungsinstanz durch, wird
das Gleichgewicht der Instanz gestört und die Erwartung der
Wahrnehmung wird auf die nun anzunehmenden Risiken ausgerichtet. Die
Phase 2 wird als moralischer Konflikt erlebt.
Spannen (3)
Hat der Impuls die Herausforderungsinstanz passiert, bringt er die dort erfolgte Aufladung nach den numerologischen Regeln der „3“ in die Phase 3 ein. Die Fronten spannen nun ein Lösungsfeld auf, in dem man sich die bisher gegenüberliegenden Fronten in einer 90°-Zuordnung vorstellen kann.
Alle Möglichkeiten der Impulsbehandlung werden fiktiv zugelassen. Es sind dies insbesondere die aus Freuds Trieblehre bekannten Lösungen: vollständige Zurückführung der Impulsenergie, vollständiges Passieren der Impulsenergie, teilweises Zurückführen der Impulsenergie, Umlenken der Impulsenergie, Umkehrung der Impulsenergie (z. B. Tollkühnheit aus Angst), Sublimierung der Impulsenergie usw. Die Bedeutung von Nutzen und Risiken der unterschiedlichen Optionen wird gegeneinander hinsichtlich der Relevanz für die Umsetzung der Bestimmung abgewogen. In dieser Phase entscheidet sich, inwieweit der Mensch seine Bestimmung durchsetzen will oder inwieweit er Anpassungsleistungen erbringen will.
Die Bedeutungsinstanz, in der dieses Aufspannen von Lösungsoptionen erfolgt, vermittelt die Erkenntnis (Verstehen) des passiven Pfades zur Bewertung der Szenarien hinsichtlich der Bedeutung der Optionen für die eigene Bestimmung. Der Mensch erlebt diese Phase als Entscheidungsdruck bzw. moralische Arbeit.
Entscheiden (4)
In Phase 4 schlägt die Bedürfnisorientierung gemäß den Regeln der „4“ zu einer Absichtsorientierung um. Es kommt zu einer Trennung von Energie und Information. Die Orientierung dieser und der folgenden Phasen erfolgt am „Außen“, d. h. an den Gegebenheiten der materiellen oder sozialen Außenwelt. Die Wissensinstanz entscheidet auf Basis der gewussten oder vermuteten äußeren Bedingungen die optimale Lösung aus der Vielzahl der in Phase 3 erzeugten Lösungsoptionen - oft durch kleine Anregungen von außen ausgelöst. Die im Lösungsfeld auf alle Optionen verteilte Motivations-Energie wird hier im Reich der RESSOURCEN zu Volitions- Energie und konzentriert sich nun schlagartig auf die Bekräftigung der gewählten Option, wobei Aspekte verworfener Optionen integriert werden können. Dies wird als befreiende Entscheidung erlebt. Die Wahl der Abbruchoption führt zur Inversion. Diese Phase wird euphorisch erlebt, da der Erfolg vorausgesetzt werden muss und damit teilweise vorweg genommen muss.
Planen (5)
In Phase 5 (Phase 2 der Handlungstriade) wird das Handlungsziel konkret definiert. Die Energie fließt als Figur durch fiktive Szenarien, in denen durch Simulation der Handlungsumgebung rückwärts vom Ziel aus realistische Lösungsstrategien entworfen werden. In dieser Phase werden Ressourcen, Risiken und Widerstände der Realisierung berücksichtigt. Die Vollständigkeit der Informationslage und die immer noch mögliche Abbruchsoption sind zu berücksichtigen.
Agieren (6)
In dieser Phase fließ die Handlungsenergie in den Aufbau des Feldes der Handlungsoptionen und Handlungsabruchoptionen. Der Akt der Handlung wird durch Vermittlung der Fakteninstanz ausgeführt. Ein Teil der Energie verlässt das Handlungssystem über die Aktoren wie z. B. Muskelnerven und bewirkt ein Ergebnis in der Umgebung. Kann das Agieren gemäß der in Phase 5 geplanten Strategien erfolgen, ohne dass die Handlung durch Korrekturen über die Phasen 7, 8 oder gar 9 neu orientiert werden muss, wird das Agieren als Flow-Zustand erlebt.
Rezipieren von Daten (7)
Das Handlungsergebnis oder die Umweltreize werden von den Sinnen aufgenommen und über den Wahrnehmungspfad phasenweise in Richtung der Bestimmungsinstanz prozessiert. Geschmacks- und Berührungsreize können reflexartig und ungefiltert zum Auflösen bzw. Aufbau von Aktivitätsspannung führen, was als Lust bzw. Schmerz erlebt wird. Auch Drogen können die Spannung durch internen Energieausgleich auf biologischer Ebene direkt auflösen. Spannungsauflösung infolge eigenen Handelns bekräftigt die Lösungsstrategien der beteiligten Instanzen. War der Akt der Tat noch nicht erfolgreich, setzt eine Justierung des Agierens der Phase 6 durch die aufgenommenen Sinnesreize ein.
Dekodieren von Informationen (8)
Bei Erfolgserkennung des Handlungsaktes wird Phase 2 aktiv und ermittelt die Botschaft der sensorisch empfangenen Daten. Ein erkannter Erfolg bekräftigt die Lösungsstrategie der Phasen 5 und 6. Kann das Ergebnis der Handlung oder die aus der Umwelt aufgenommene Information nicht dekodiert werden, wird die Planung (5) neu orientiert bzw. wird das Problem an die Wissensinstanz weitergegeben.
Erkennen (9)
Die dekodierte Botschaft als Ergebnis der Handlung oder einer Wahrnehmung wird in den Kontext des Wissens gestellt, noch ohne es auf die Person zu beziehen. Bei festgestelltem Misserfolg des Handels ist die Struktur der Wissensinstanz anzupassen, um beim nächsten Handlungszyklus eine andere Entscheidung treffen zu können.
Verstehen (10)
In Phase 10 wird die Bedeutung des Handlungsergebnisses in Bezug auf die handelnde Person festgestellt. Aus der Sinnorientierung wird eine Relevanzorientierung. War diese in der gegenüberliegenden Phase 3 richtig eingeschätzt worden, wird dies bekräftigt, anderenfalls muss die Bedeutungsinstanz modifiziert werden. Ist der Selbstbezug noch nicht eindeutig, führt dies zur Anregung des Wertesystems in Phase 11. Verstehen ist die Reintegration von Wissen in die Non-Dualität des Regelreiches und ist wie das Bewerten und Akzeptieren immer mit dem Empfinden von Gefühlen verbunden.
Prüfen (11)
Es erfolgt ein Abgleich des verstandenen Handlungsergebnisses mit dem zugrunde gelegten Wertesystem und mit der evtl. notwendigen Auslösung von entsprechenden Lernvorgängen für die Herausforderungsinstanz. Verbleibende Widersprüche werden an die Bestimmungsinstanz vermittelt, was zu einer Veränderung der Bestimmung und zu Prozessen der Moralentwicklung führen kann.
Der Verzicht auf die Prüfung und Bewertung des Erfolges löst die Identifikation mit dem Regelreich. Der Verzicht auf Beurteilung im Sinne einer Erwartung in der Gestaltinstanz des Reiches der PERSONALITÄT löst die Identifikation mit dem Reich der PERSONALITÄT (siehe Tabellen im Kapitel 24).
Akzeptieren (12)
Akzeptiert die Bestimmungsinstanz das bewertete Handlungsergebnis, wird die Forcierung des Handlungsimpulses zurückgenommen. Die damit verbundene Entspannung wird als Freude erlebt. Kann das Ergebnis nicht akzeptiert werden, bleibt die Spannung des Handlungsimpulses bestehen und ein weiterer Handlungszyklus über die Phase 1 kann beginnen. Kann die Spannung dauerhaft nicht behoben werden, muss sich die Bestimmungsinstanz mittels Inversion gegenüber dem Reich der PERSONALITÄT neu formieren.
Die Bestimmungs- und die Fakteninstanz als Pole des Handlungsmodells
Im aktiven Pfad konkretisiert die Bestimmungsinstanz das Interesse einer Person in Form eines unbestimmtes Möglichkeitsfeldes als Bestimmung in einem spezifischen Umfeld.
Im passiven Pfad akzeptiert sie das Wahrnehmungsergebnis in bewerteter Form als bestimmungsgemäß oder lehnt es ab. Wenn das frühkindliche Grunderlebnis, die existentielle Abhängigkeit von und die daraus folgende Identifikation mit anderen Personen die Bestimmungsinstanz grundlegend prägt, ist diese auch in späteren Entwicklungsphasen bereit, die Selbstbewahrung nicht ausschließlich auf die eigene, als biologische empfundene, Grundlage zu beziehen. Sie erkennt ihre Aufgabe dann in der Repräsentation der Person und der in ihr verkörperten Werte als Subjekt im Reich der REGELN und sucht die Umsetzung der Persönlichkeit als Bestimmung.
Der gegenüberliegende Handlungspol des Modells, die Fakteninstanz, ist an die Wirklichkeit der Umgebung gebunden. Ohne die Aktivität zurückleiten zu müssen, also ohne die Person durch Inversion unter Druck zu setzen, muss die Bestimmungsinstanz als primäre Instanz im Handlungszyklus deshalb die zwischengeschalteten, simulierenden und prozessierenden Instanzen so orientieren, dass der Handlungsakt der Bestimmungsinstanz stets möglichst adäquat ist. Bei diesem Prozess erwirbt das Instanzensystem eine soziokulturell definierte Identität mit eigenen Selbstbewahrungstendenzen auf allen Ebenen.
Die erforderliche Widerspruchsfreiheit zwischen Fakten- und Bestimmungsinstanz gewährleistet die Integrität des handelnden Organismus als Summe der Integrität der einzelnen Instanzen. Im Laufe der Entwicklung der Integrität eines Menschen sind viele Phasen der Aktivitätsumkehr (Inversionen) kleinerer oder größerer Reichweite nötig.
Durch
Agieren der Fakteninstanz werden Ereignisse in der materiellen oder
sozialen Umgebung geschaffen. Diese können im Reich der GEMEINSCHAFT
mit der Bedeutung eines sozialen Subjektes versehen und so zum
Baustein sozialer Normen oder Institutionen werden. Im
Wahrnehmungspfad werden Fakten sequentiell rezipiert und in die
Simulation des aktuellen Umweltszenarios integriert. Die Selektion
der integrierten Fakten wird von der Erwartungsspannung gelenkt.
Im
Wahrnehmungspfad können Fakten ebenso mit sozialer Bedeutung
versehen werden.
Eine besondere Art des Rezipierens ist die Selbstwahrnehmung. Einerseits nehmen wir Geschmack und Schmerz direkt und relativ ungefiltert als Empfindungen wahr. Andererseits erfahren wir unsere Umwelt und die Ergebnisse unserer Handlungen als Objekt und prozessieren sie im Wahrnehmungspfad ähnlich wie fremde Fakten, wobei jede Instanz aus Gründen der Bewahrung der Widerspruchsfreiheit die Tendenz hat, die auf der Handlungsseite getroffene Selektion zu bestätigen.
Beispiel:
Entsprechend der
Modellarchitektur werden Handlung und Wahrnehmung sowie Motivation
und Bewertung als die Folge von Prozessphasen aufgefasst, die
zwischen der Persönlichkeit und der Umwelt des Menschen vermitteln.
Die Grundfunktionen der Instanzen sind dabei die Abbildung,
Speicherung und Simulation von Szenarien. Handlungsprozesse sind dem
durch die Person empfundenen Bedürfnis und dem außenwirksamen Akt
der Handlung zwischengeschaltet und bewirken Handlungsaufschub,
Generierung von zielgerichteter Absicht oder Handlungsabbruch.
Wahrnehmungsprozesse bewirken Filterung und Bewertung von Sinneswahrnehmungen.
In unserem Beispiel nehmen wir an, in einer Familie besteht die Tendenz, die Balance der drei Elemente der EXISTENZ: Werden, Vergehen und Bleiben zugunsten des Vergehens zu verschieben. Das Primat des Vergehens verführt die Personen in Konfliktsituationen dazu, Abgrenzung, Ablehnung bzw. Aggression gegenüber ausgleichenden, fürsorglichen, toleranten oder kreativen Lösungsoptionen zu bevorzugen.
Ein Junge, der in dieser Atmosphäre aufwächst, richtet sein Interesse auf Szenarien aus, die dieser Orientierung entsprechen. Er interessiert sich für Waffen, Kampf und Dominanz und beurteilt im Gegenzug seine Umwelt nach diesen Kriterien. Die Bedeutung von Kreativität, Sexualität oder gar sozialem Engagement (sei es in Form von Arbeit in einer Firma) werden unterbewertet.
Ein Mädchen würde in der Regel subtilere Methoden wählen, das Primat des Vergehens in seinem Leben zu veräußern.
Im Reich der REGELN findet der junge Mann seine Bestimmung in der Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Skinheads, er kontaktiert diese und investiert Zeit und Kraft im Reich der RESSOURCEN in diese GEMEINSCHAFT. Diese Szene definiert sich durch Abgrenzung gegen die etablierte Gesellschaft, um eine Projektionsfläche für ihre destruktiven Ambitionen zu haben. Nun steht der 17-jährige Skinhead in entsprechender Kleidung mit seiner Gruppe auf einem belebten Platz, als er die Blicke eines scheinbar gut angepassten Jugendlichen auf sich gerichtet sieht (Phase 7 - Rezipieren der Fakten). Durch die vorher getroffene Entscheidung der provokativ zur Schau getragenen Mitgliedschaft einer solchen Gruppierung ist die Erwartungsspannung seines Wahrnehmungspfades auf Reaktionen der sozialen Umgebung gerichtet. Der Blickkontakt wird daher als Reaktion der als feindlich definierten Gesellschaft auf die Provokation gedeutet (Phase 8 - Dekodieren der Botschaft). Der Skinhead erkennt (Phase 9 - Integration der Erkenntnis in das Wissen), dass ein einzelnes Mitglied der Gesellschaft auf ihn reagiert und dass dieser offensichtlich einer als feindlich anzusehenden Bestimmung folgt. Er versteht (Phase 10 - Verstehen der Bedeutung) dies als Gegnerschaft, die öffentlich geworden ist, und die ihn als Angeschauter vor der Gruppe, vor dem Gegner und vor der Öffentlichkeit exponiert. Er fühlt nun (mit Eintritt in das non-dualistische Reich der REGELN kommen Empfindungen ins Spiel), dass er reagieren muss und seine Reaktion das Ausleben seiner Bestimmung ermöglicht und legitimiert. Seine Reaktion ist daher als Herausforderung sehr relevant (Phase 11 - Prüfen der Herausforderung). Die Gruppenstruktur vermittelt dem Skinhead die relevanten Selbstbewahrungsressourcen „Sicherheit“ und „Autonomie“ nach dem Verständnis seiner in seiner Person verankerten Interessenlage. Das der Gruppe zugrundeliegende Wertesystem der Priorisierung des Vergehens steht daher nicht zur Disposition. Die Herausforderung wird als Bestimmung akzeptiert (Phase 12), ohne eine Inversion gegen das Reich der Persönlichkeit zu erfordern.
Die erregte Bestimmungsinstanz aktiviert nun einen Handlungsimpuls (Phase 1), der diffus gegen den angepassten Jugendlichen gerichtet ist. In Phase 2 wird der Handlungsimpuls mit seinen Konsequenzen in den Folgereichen in Richtung der aktiven Dynamiken Motivation, Handlung, Autonomie und Macht gegen die entsprechenden passiven Dynamiken Ordnung, Sicherheit, Wahrnehmung und Bewertung abgewogen. Die Gruppe gibt temporäre und evtl. sogar politisch-strukturelle Sicherheit. Die Autonomie wird durch ein Ausleben des Impulses vergrößert. Der Sicherheitsaspekt der Gesundheit des Gegners wird als gering eingestuft. Auch die Gefahr von Autonomieverlust durch Freiheitsentzug wird in der Gesamtbilanz, in der die Verletzung der eigenen Bestimmung überwiegt, überstimmt.
In Phase 3 wird der Impuls in ein Spannungsfeld von Handlungsoptionen transformiert, deren bremsende Aspekte aus der Abwägungsphase übernommen wurden. Eine Tötung des Gegners oder eine Selbstverletzung sollte ausgeschlossen werden, der Akt muss dem Wertesystem der Gruppe entsprechend aber hart und erfolgreich ausgeführt werden können. Der Skinhead entscheidet sich auf Grund seiner kindlichen Prägung in Phase 4 für den Kompromiss, die Spannung in einem überraschenden und kurzen Faustschlag in das Gesicht des Opfers abzubauen. Die Vorstellung erregt und euphorisiert ihn.
In Phase 5 plant er, zunächst wie unabsichtlich auf ihn zuzugehen um dann überraschend zuzuschlagen. Relevante Gegenwehr wird nicht eingeplant. Er geht los und führt in Phase 6 die Tat aus. Dabei berücksichtigt es permanent evtl. erforderliche Abbruchoptionen, wie Gegenwehr oder Auftauchen einer Ordnungsmacht.
Diese Analyse nach dem Handlungsmodell zeigt, wie die erlebte Bestimmung im Reich der REGELN die Wahrnehmung selektiert und im Reich der RESSOURCEN in Handlung umgesetzt wird. Pädagogische bzw. therapeutische Interventionen müssten Änderungen im vorgelagerten Reich der Persönlichkeit und im Reich der EXISTENZ ins Auge fassen. Eine Darstellung der Instanzen und Phasen der zugehörigen Absichts- und Motivationszyklen findet sich in Kapitel 24.
Zusammenfassung des Handlungszyklus:
In diesem Kapitel wurde der Handlungszyklus als die Verbindung der Reiche der REGELN und der RESSOURCEN im Akt menschlichen Handelns beschrieben. Dazu wurden die Triadenelemente der beiden Reiche in Instanzen transformiert, die als Träger der statischen Strukturen fungieren, an denen entlang die Handlungs- und Wahrnehmungsprozesse ablaufen. Aus der Bestimmung des Menschen entsteht so seine Tat. Auch die Beispiele der Kapitel 21, 22 und 23 illustrieren die Verknüpfung der Reiche der REGELN und der RESSOURCEN, zu den entsprechend angepassten Instanzen.
1 Solange wir uns nicht in einer therapeutischen Situation befinden, wo die vorgelagerten Reiche bearbeitet werden.
2 Durch die Plazierung der Handlungsphasen innerhalb des Menschen in Form von Volition (Prozesse, die mit der konkreten Realisierung von Zielen im Handeln zu tun haben) ist die Energie des Ressourcenreiches als biologische Lebenskraft anzusehen, die für die Vorbereitung und Durchführung des Handlungsaktes eingesetzt wird.
3 Dies ist die Definition von „Verstehen“