1. 13. Die Inversion

Lassen wir nochmals alle sieben Reiche Revue passieren und betrachten die unterschiedlichen Qualitäten ihrer Triaden auf der metaphysischen Ebene:



Reich


Triaden-


Aktive Passive



Elemente


Dynamik


Dynamik



Werden





EXISTENZ


Vergehen


Wollen


Empfangen



Bleiben














Mutterschaft





PERSONALITÄT


Vaterschaft


Absicht


Erwartung



Kindschaft














Subjekt





REGELN


Objekt


Motivation


Bewertung



Gesetz














Energie





RESSOURCEN


Fluss


Handlung


Wahrnehmung



Form














Individuum





GEMEINSCHAFT


Gruppe


Autonomie


Sicherheit



Norm














Interessen /





GESELLSCHAFT


Werte


Macht


Ordnung



Institution














Wachstum





FELD


Begrenzung


Ausdehnung


Auflösung



Balance





Die Triadenelemente eines jeden Reiches werden durch die in ihnen wirkenden aktiven und passiven Dynamiken geschaffen und aufrechterhalten. Die Qualität ihrer Widersprüche korrespondiert mit der Qualität der in ihnen herrschenden Dynamiken.

Die Qualität der aktiven Dynamik verändert sich entsprechend der vorherrschenden Qualitäten der Reiche:
Aus Wollen wird Absicht, aus Absicht entsteht Motivation, aus Motivation entsteht Handlung. Aus Handlung entsteht Streben nach Autonomie. Daraus entsteht institutionelle Macht und schließlich die Expansion und Inklusion begrenzender Gegner.

Auf der passiven Seite der Dynamik setzt Empfangen die Erwartung voraus, diese die Bewertung im Reich der REGELN und diese die Wahrnehmung im RESSOURCEN-Reich. Im Reich der GEMEINSCHAFT hat Passivität die Form von Sicherheit, im Reich der GESELLSCHAFT die Form von Ordnung und im Reich des FELDES von „aufgenommen werden“.

Bis zum Reich der RESSOURCEN transformieren sich im Verlauf absteigender Aktivität die Möglichkeiten der Unbestimmtheit in Wirklichkeiten von Sinn und Formen. Durch die Kollektivierung von Ressourcen, insbesondere der Energie und der Information, nehmen die Freiheitsgrade danach bis zum Reich des FELDES wieder zu und der Grad Bestimmtheit sinkt wieder.

Das Wirken der dynamischen Aspekte der Reiche erzeugt die Stabilität selbstbezüglicher Strukturen und hält diese entgegen der Tendenz der Entropie aufrecht, wie der Wind den Hurrikan entstehen lässt und am Leben erhält.

Die Quantität dieser Bewegung in den reellen Reichen entspricht der Intensität des Empfindens und Erkennens, Schaffens und Richtens – unserer Lebenskraft.

Im Zusammenwirken der Reiche kann man an jeder Verkettungsstelle zwischen zwei Reichen (siehe Kapitel 19 und 24) Gestaltungsfunktionen beobachten, die uns an die Regeln der Evolution erinnern: In der aktiven Dynamik entstehen als Ausdruck eines unbestimmten Möglichkeitsfeldes zunächst Modifikationsoptionen, die in dem folgenden Reich selektiert werden. Die Ergebnisse der Selektion werden dann im passiven Pfad rezipiert und dann evaluiert.

In den imaginären Reichen werden die Dynamiken durch die Kommunikation angetrieben und aufrechterhalten: Im Reich der GEMEINSCHAFT müssen Normen permanent bestätigt und ihre Verletzung bestraft werden. Im Reich der GESELLSCHAFT werden die Rechtsgrundsätze und die Bedeutung der sie verkörpernden Institutionen permanent in unser Bewusstsein gebracht. Dies erfolgt durch die Agenten der Institutionen, insbesondere durch die Medien.
Jeder Spielfilm, jede Werbung, jede Nachrichtensendung dient auch immer der gegenseitigen Vergewisserung der Regelhaftigkeit und Stabilität der uns umgebenden sozialen Welt. Im Reich des FELDES übernimmt die die Propaganda diese Aufgabe, wenn es sich um Krieg handelt. Die Kirchen setzen Liturgie und Predigt zur permanenten Bestätigung ihrer Werte und ihrer Legitimation ein. Der Markt der Warenverteilung wird von Werbung aufrechterhalten, wie die Bestäubung von Blüten durch die Leuchtkraft der Blüten. Ohne diese permanent und gleichartig ablaufenden Rituale würden die imaginären Reiche kollabieren.

Auch in unserem Denken sind die Strukturen, die unser ICH (nicht unser SELBST) stabilisieren, zyklisch: Es „dreht“ sich alles um unser ICH. Unsere Probleme sind oft „fixe“ d. h. „feste“ Ideen, weil sie innerhalb der Blase, die wir bewohnen, um sich selbst kreisen wie der Goldfisch im Glas. Außerhalb des selbstbezüglichen Raumes lebt das SELBST in der offenen Welt des SEINS. Wenn es seine Form, die es vom Körper und vom ICH geerbt hat, dort erhalten will, muss es in der Lage sein, einen Teil seiner individuellen Dynamik weiterhin in diesen Strukturen kreisen zu lassen, doch ohne den Zwang, diese von innen zu bewohnen.

Die oben als Liste dargestellten Reiche und ihre Dynamiken entstehen nicht in gerader Linie, sondern als Binnendifferenzierung innerhalb des SEINS. Ihre geometrische Struktur entspricht daher sieben Sphären, die ineinander geschachtelt sind und innerhalb des SEINs schwimmen. Die innerste Sphäre ist in dieser siebenfach gegliederten Gestalt das FELD.

Das Reich der RESSOURCEN als physikalisches Reich, in dem die Welt und unsere Körper existieren, bildet in dieser Gestalt durch seine Sonderstellung eine Trennung zwischen den imaginären und reellen Reichen wie die Oberfläche einer Hohlkugel. Als mit der Form verhaftet und den imaginären Reichen zugewandt bewohnen wir den begrenzten Innenraum dieser Hohlkugel, die „Unterwelt“ dieses Modells. Als geistiger Leib im Reich der REGELN, als Person und als Anteil der EXISTENZ bewohnen wir die „himmlischen“ Sphären oberhalb der Oberfläche. Der Mensch verbindet also über die Sphären der sieben Reiche das innere FELD mit dem äußeren SEIN.

Die bekannten Bilder wie Platons Höhle, das Grab des Lazarus oder Dornröschens Schloss illustrieren die Bedeutung der äußeren Sphären für die Erweckung des im Innenraum gefangenen ICH. Auch das dualistische Gebet des ICH zu seinem Gott oder höherem SELBST in den äußeren Sphären und die Erwartung von Hilfe von außen ist durch dieses Schema zu illustrieren. Es macht auch deutlich, dass dieses befreiende „Außen“ für das ICH durch das „Innen“ des eigenen Körpers hindurch zu erreichen ist und nicht identisch ist mit der durch den Denksinn simulierten Außenwelt (die sich ja als Bild der Welt in uns befindet) – wohl aber mit der Wirklichkeit der reellen Reiche einschließlich des Reiches der RESSOURCEN.

Doch zurück zur Dynamik der Reiche und den sie verbindenden Prozessen: In einem ungestörten Ablauf durchläuft der Aktivitätsimpuls alle Reiche von außen nach innen und wird in jedem Reich von der Rückmeldung der entsprechenden Passivitätskriterien gesteuert. Der Erfolg einer Konkretisierung kann jeweils an der Rückmeldung der Triade abgelesen werden, die der Triade des betrachteten Widerspruches folgt. Ein Widerspruch darf erst dann als gelöst betrachtet werden, wenn seine Konkretisierung und Synthese in der folgenden Triade erfolgreich war: Ob die Naturgesetze erfolgreich ausbalanciert waren, zeigt sich erst im Blick auf die entstandene Welt. Wie die Personen einer Gruppe harmonieren, zeigt sich in den entstehenden Regeln und Rollen in denen sie miteinander agieren.

Können verbleibende Fehlbalancen nicht durch eine neue Entscheidung an der Schnittstelle zwischen „3“ und „4“ korrigiert werden, setzt sich – soweit wie möglich- die Asymmetrie in den folgenden Triaden fort. Gelingt dies nicht, müssen Korrekturen der Widersprüche durch Veränderung der jeweils vorgelagerten Reiche erfolgen:

Kommt der Markt der Waren, Ressourcen oder Arbeitskräfte an seine Grenzen, wird er durch Institutionen eingeschränkt (Protektionismus) oder ganz abgeschafft, wie es kommunistischen Ideen entspricht.

Versagen Institutionen, wird ihnen durch die Gemeinschaft die Legitimation entzogen. Verlieren Institutionen das grundsätzliche Vertrauen der sie begründeten Gemeinschaft, beginnt die Suche nach einem Repräsentanten der Gemeinschaft innerhalb der GESELLSCHAFT, der diese neu ordnen soll. Dies sind die Führerpersönlichkeiten kriselnder Staaten. Gelingt denen die erforderliche Korrektur der Institutionen nicht, zerfällt die GESELLSCHAFT in Gemeinschaften (Clans).

Sind auch Clans nicht in der Lage, das Gemeinschaftsleben mit ihren sozialen Rollen ohne die Hilfe von Institutionen zu ordnen, bleibt als kleinste Zelle die biologisch verbundene Familie im Reich der RESSOURCEN bestehen.

Ohne diese Korrekturversuche schlecht ausbalancierter Konkretisierungen von Widersprüchen zwischen den Reichen erreicht der Aktivitätsimpuls im Reich des FELDES seine ultimative Grenze. Der Vormarsch des Krieges kommt zum Stehen, der Markt ist gesättigt und der Verdrängungswettbewerb beginnt. Der evangelische Christ, von aufopferungsvoller Anwendung der Arbeitsethik erschöpft, töpfert in der Burnout-Klinik.

Die These dieses Prozessmodells ist: Wenn auch im Reich des FELDES mittels Fusion oder Inklusion keine Balance der Widersprüche möglich ist, kehrt sich die Richtung der aktiven Dynamik um und wendet sich gegen die Strukturen seiner Herkunft in den vorgelagerten Reichen:

In Inselreichen wie Japan und England, die aufgrund ihrer geographischen Begrenzung eine höhere Tendenz zu inversen Phasen besitzen, sollte ein höheres Maß an ritualisierter Moral zu beobachten sein.
In den USA und in Europa ist die zunehmende Bedeutung von „Political Correctness“ ein Zeichen für Inversions­tendenzen in Zeiten wirtschaftlicher Stagnation. Im globalen Maßstab steht uns eine Welle der Inversion, die zu neuen Verhältnissen gesellschaftlicher Organisation führen wird, noch bevor. Das neue Zeitalter des Wassermannes, das die New-Age-Bewegung schon vor Jahren feierte, wird jedoch noch auf sich warten lassen.

Wer dem großen platonischen Jahr und seinen Tierkreiszeichen mit seinem Zyklus von 25750 Jahren eine Bedeutung zumessen will, muss folgende Argumente bedenken:

1-Der Tod Jesu kennzeichnet nach biblischem Zeugnis den Übergang vom Zeitalter des Widders in das Zeitalter der Fische, in dem wir leben. Die letzte Mahlzeit mit seinen Jüngern bestand aus einem Widder. Die erste Mahlzeit mit seinen Jüngern nach seiner Wiederauferstehung bestand aus Fischen. Der Übergang zum Wassermannzeitalter wäre also bei zwölf 30°- Sektoren 2146 Jahre später, also etwa 2180.

2-Wenn die Tierkreiszeichen eine einigermaßen logische Bedeutung haben sollen, müsste der Zyklus von 25750 Jahren einen Start- bzw. Synchronisationspunkt außerhalb der Erdbahn um die Sonne haben. Dieser Punkt müsste das Zentrum unserer Galaxis sein. Auch etwa um 2180 ist ein solcher Punkt erreicht.
Der Winterpunkt der Erdbahn befindet sich dann in einer Linie mit dem Zentrum der Galaxis1. Dieser Zeitpunkt ist also kein normaler Übergang in ein neues Tierkreiszeichen, sondern wäre der Beginn eines neuen Zyklus von 25750 Jahren. Es wäre heute in der Tat „fünf Minuten vor zwölf“.

Das Prinzip der Inversion als rückläufige Aktivität durch die Reiche wirkt natürlich nicht nur in der sozialen Welt, sondern in jedem Individuum. Am Ende des Gesamtprozesses oder bei fehlenden Konkretisierungsmöglichkeiten offener Widersprüche (für Menschen in Initiationssituationen, in Meditation, in Krisen – spätestens im Tod) wird durch Inversion die verbleibende konkrete Asymmetrie gegen den Strom der Konkretisierung ggf. bis zum Reich der EXISTENZ zurückgeführt und führt dort zur Optimierung der Symmetrie zwischen Werden, Vergehen und Bleiben. Die Energie der Inversion fließt nach Ausgleich der Symmetrie im aktiven Pfad hinab in die Erhöhung der Wahrscheinlichkeit von Urbildern, die in den Reichen unter dem Druck der Inversion als wünschenswert erkannt wurden.

Ein Beispiel einer systematisch stattfindenden Inversion im Reich der RESSOURCEN ist das Ende des körperlichen Wachstumsprozesses bei Jugendlichen. Die weiter strömende Energie richtet sich rückwärts gegen das Reich der REGELN und lädt die Polarität zwischen Subjekt und Objekt auf. Der Heranwachsende erkennt sich als Objekt seiner Aufmerksamkeit und der Aufmerksamkeit anderer. Seine Bedeutungs-Instanz (Siehe Kap. 19) gerät unter Veränderungsdruck. Dann fließt die Energie weiter rückwärts zum Reich der PERSONALITÄT und verstärkt die Polarität zwischen Mutterschaft und Vaterschaft gegenüber der bisher vorherrschenden Kindschaft, Die sexuelle Identität wird bestätigt und verleiht der Lebens-Energie eine Qualität, welche nach einer weiteren geschlechtsabhängigen Prägung im Reich der EXISTENZ wieder abwärts fließend die Qualitäten im Reich der REGELN und anschließend im Reich der RESSOURCEN neu orientiert. Das unbestimmte Lösungsfeld der Form schafft neue geschlechtstypische biologische Formen in den Körpern, die für eine Veräußerung der individuellen Lebensenergie im Reich der GESELLSCHAFT bestimmt sind.

In der christlichen Theologie wird der beschriebene Prozess der Inversion als „Gericht“ bezeichnet. In der Psychologie spricht man von Lebenskrisen, die eine Umorientierung der grundlegenden Strukturen der Persönlichkeit erfordern. In asiatischen Ländern existieren Therapieformen, in denen psychisch Kranke bewusst einer Isolation ausgesetzt werden, die eine Inversion nach diesem Modell erzwingt. Jede meditative Praxis korrigiert Dysbalancen nach diesem Prinzip der Aktivitätsblockade und stabilisiert Urbilder.

Das Spiel der Konkretisierung und Differenzierung beginnt nach Inversionsphasen durch die wieder einsetzende absteigende Aktivität in verfeinerter Form von vorne. Die Urbilder vergangener Konkretisierungszyklen (wie z. B. das Urbild der Antike im Mittelalter oder bewährte bzw. gelernte Lebensstrategien bei einem persönlichen Neuanfang) üben dabei eine Leitfunktion aus. Neue Differenzierungen dieser Urbilder im Rahmen ihrer Konkretisierung in den Reichen erleben wir als Evolution.

Nach hinduistischer Lehre inkarnierte Vishnu unter anderem als Krishna direkt im Reich der RESSOURCEN. Eine ähnliche Rolle wird im Christentum Jesus Christus zugeschrieben. Solche direkte Einflüsse von Wesen des Reiches der EXISTENZ in das Reich der RESSOURCEN hinein können als Bekräftigung von Urbildern im Rahmen von Inversionen erklärt werden. Katastrophen als Akt Shivas und Schöpfungen als Akt Brahmas zum Ausgleich der Triade der EXISTENZ wären ebenfalls durch den Druck von Inversionen entstanden.

Es wäre etwa so, als wenn in einer Firma, die von einem Geschäftsführer geführt würde, nach Beschwerden der Belegschaft der Eigentümer (quasi transpersonell für die Firma) auftauchen würde um von den Verwaltern Rechenschaft zu verlangen. In der Tat gibt es entsprechende Gleichnisse Jesu.

Was wir als Evolution bezeichnen, wäre dann ein Differenzierungs- und Anpassungsprozess von Urbildern übergeordneter Reiche. Die Entfremdung des Menschen im Zuge der Arbeitsteilung und Digitalisierung wäre ein Zerfall des universellen Ur-Menschen durch Einschränkung auf seine Funktion in der Arbeitswelt. In einer nächsten „Evolutionsrunde“ würde der universell gebliebene Teil der Menschheit dem maximal an seine (Berufs) -Tätigkeit angepassten (ggf. gezüchteten) Menschen gegenüberstehen wie wir heute dem Tierreich.

Durch Bewusstmachung und Kultivierung der Regeln des Inversionsprozesses können die scheinbar unvermeidlichen Frustrationen und Krisen in der persönlichen wie in der gesellschaftlichen Entwicklung vermieden werden.

Als Methode der Auflösung von Identifikation spielt hier das Prinzip des Opfers eine Schlüsselrolle. Dieser individuelle Weg kommt der Frustration einer erzwungenen Inversion zuvor, wenn wir ihn bei Erfordernis selbst beschreiten. Wir bleiben dann frei:



Diese Schritte führen, wenn sie aus ganzem Herzen getan werden, aus den Reichen der Konkretisierung zurück in die Universalität des SEINs. Wie der Weg des Abstiegs durch die Reiche als Biographie beschrieben werden kann ist dieser Rückweg der Weg der Ernte unseres Lebens. Manchmal ist ein einziger dieser Schritte schon sehr viel für ein Leben. Es kommt auch nicht darauf an, die Schritte wirklich äußerlich durchzuführen – aber es hilft. Auf die innere Einstellung kommt es an. Mitten in der Schlacht des Krieges oder unserer Selbstvermarktung können wir die innere Distanz erwerben, die uns unsere Entscheidung klar vor Augen stellt: Kämpfen wir von ganzen Herzen und aus Überzeugung – nicht als Sklave einer Institution oder sagen wir: „STOP – Bis hierher und nicht weiter. Ich kehre um“. Beides wäre ein Opfer der von uns erwarteten Funktion und die Annahme unserer echten sozialen Identität gegenüber der Institution. Das Prinzip gilt für alle Stufen der Opfer.

Jesus hielt es für nötig, auf seinem Leidensweg alle drei imaginären Reiche zu durchschreiten: Seine Gemeinschaft verriet ihn an die Institution der jüdischen Kirche. Diese nahm ihre Verantwortung als Verwalter der Werte nicht wahr und übergab ihn an die Institution „Staat“. Der Vertreter des römischen Staates reichte Jesus an die Arbeiter des Krieges weiter, die mit ihm wie mit einem Feind der GESELLSCHAFT verfuhren.

Die drei Versuchungen Jesu in der Wüste nach Lukas Kap. 4 dagegen bezogen sich auf die drei reellen Reiche:

„Und er aß nichts in diesen Tagen; und da sie ein Ende hatten, hungerte ihn darnach [Jesus im Reich der Ressourcen]. Der Teufel aber sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so sprich zu dem Stein, dass er Brot werde“- 1. Versuchung, die Naturgesetze des Reiches der REGELN zu manipulieren.

„Und der Teufel führte ihn auf einen hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der ganzen Welt in einem Augenblick und sprach zu ihm: Alle diese Macht will ich dir geben und ihre Herrlichkeit…“ – 2. Versuchung, Macht über andere Personen auszuüben (Reich der PERSONALITÄT).

„Und er führte ihn gen Jerusalem und stellte ihn auf des Tempels Zinne und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so lass dich von hinnen hinunter, denn es steht geschrieben: Er wird befehlen seinen Engeln von dir, dass sie dich bewahren und auf den Händen tragen, auf dass du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stößt“ – 3. Versuchung, die Balance der EXISTENZ durch Androhung von Selbstzerstörung herauszufordern.

Wie der Weg durch die Reiche hinab ein Weg der Differenzierung ist, ist der oben beschriebene Rückweg durch die Reiche ein Weg der Reintegration. Auf individueller Ebene reintegrieren wir unseren Ausdruck in der Welt und dann unsere Persönlichkeitsanteile bis zur Einheit mit dem SEIN.

Auf der Ebene der Metaphysik reintegrieren wir mit dem Ausstieg aus den sozialen Reichen unser Denken in unsere körperliche Existenz im Reich der RESSOURCEN. Dann reintegrieren wir unseren Körper als ein Urbild von vielen in das Reich der REGELN. Dieses Urbild unseres individuellen Menschseins, durch das Leben unserer Bestimmung geformt und einst durch Interesse unserer Identität geschaffen, reintegriert sich im Reich der PERSONALITÄT in das Urbild des Kindes, das wir selbst sind. Dieses reintegriert sich gemeinsam mit anderen Personen im Reich der EXISTENZ in ein Wesen des Bleibens, bevor das Bleiben im SEIN aufgehoben wird. Dieses Wesens des Bleibens versammelt im aufsteigenden Pfad die Personen, um sie zum SEIN zurück zu führen. Wir werden den Rückweg also nicht individuell sondern gemeinsam antreten. Aus diesem Bewusstsein heraus spricht Jesus über sich als den Menschensohn. In diesem Bewusstsein ist die Ethik Krishnas begründet. Die im Urbild des Menschen reintegrierte Gemeinschaft von Individuen ist die wahre Bedeutung von Kirche im christlichen Sinne.


1 Die Neigung der Erdachse zeigt mit dem Nordpol vom Zentrum der Galaxis weg

12. Das Reich des FELDES 14. Die Spiegelung