Alle idealistischen Systeme haben das Problem, dass trotz der Erkenntnis, dass unser Bewusstsein offensichtlich unsere physische Existenz bestimmen kann, das Bewusstsein im Tiefschlaf und unter Narkose erlischt.
Das Welt-Modell dieses Buches bietet zur Lösung des Problem zwei Antworten an:
Die Qualität der Zeit
Zeit als Sequenzierungs-Kategorie hat in den verschiedenen Reichen eine unterschiedliche Qualität.
Als Beispiel unterschiedliche Zeitqualitäten kann das Schachspiel dienen. Die beim Schach ablaufende und von Schachuhren gemessene Zeit entspricht unserer Zeit im Reich der RESSOURCEN. Zeit auf dem Spielfeld, im Schach als „Tempo“ bezeichnet, misst im Gegensatz dazu den Vorsprung in der Entwicklung der Partie, der durch die wechselseitige Sequenz der Züge im Kontext der Spielidee entsteht. Es ist also möglich, dass ein Spieler mit nur wenig verbleibender Zeit auf der Schachuhr einen gewinnträchtigen Vorsprung in der Entwicklung seiner Figuren erreicht hat. Die beiden Zeitkategorien des Schachspiels unterscheiden sich also qualitativ fundamental.
Ebenso ist es mit der Zeitkategorie des Reiches der REGELN und der des Reiches der RESSOURCEN. Die Zeit selbst ist im Reich der RESSOURCEN eine Ressource geworden. Aus Sicht des Reiches der REGELN gleicht unser zeitliches Leben jedoch eher einem Bild, das sich zwar vervollständigt, aber im Sinne der verbundenen Gleichzeitigkeit aller Erlebnisse. Wenn man sich Zeit als imaginäre Dimension zusätzlich zur Raum-Zeit des RESSOURCEN-Reiches vorstellt, sind temporäre Unterbrechungen des Bewusstseins ebenso wenig ein Problem wie das vereinzelte Erscheinen von Fußabdrücken im Sand als Folge unseres Gehens1 oder die Unterbrechung eines Schachspiels. Während sich die Erotik des Regel-Reiches „zeitlos“ denken lässt, gelingt die für die Sexualität des RESSOURCEN-Reiches nicht.
Die Barriere der Form unseres Körpers
Wie im Kapitel 5 über das SEIN beschrieben, bildet die Form unseres Körpers2 eine Barriere zwischen dem Bewusstsein außerhalb und dem Bewusstsein innerhalb des Körpers, das ICH-Bewusstsein unseres Alltags leitet sich dabei von der inneren Oberfläche der gedachten „Blase“3 der Körperform ab. Auf der anderen Seite der Körperform leitet sich das SELBST-Bewusstsein von denselben Strukturen ab – ist jedoch außerhalb der Blase im SEIN verwurzelt und nicht in der „Blase“ der Körperform gefangen. Das ICH-Bewusstsein ist die Bewusstseinsform des normal Menschen unserer Zeit. Die gleichzeitige Wahrnehmung des SELBST-Bewusstseins gelingt im Alltag nur in Extremsituationen oder spirituellen Meistern. Im Schlaf und unter Narkose wird die Form des Gehirns betäubt, deren Struktur das innen abgeleitete ICH-Bewusstsein erzeugt. Die Körperform wird jedoch permanent aber unbewusst von den Energien und Qualitäten aus dem SEIN (via Reich der PERSONALITÄT und via REGEL-Reich als Ur-Leib geformt) aufrechterhalten. Diese dem Regelreich zugewandten Formen werden nicht betäubt bzw. permanent aus den Ur-Formen unseres Geistleibes (einschließlich der der individuellen SELBST-Bewusstseins) aufrecht erhalten. Nach dem Erwachen generieren die Formen unseres Körpers wieder unser ICH-Bewusstsein und spiegeln in ihm die in den äußeren Reichen beheimateten Qualitäten unserer Person.
1 In theologischen Begriffen wird die Transzendenz der Zeit als „Ewigkeit“ bezeichnet.
2 Einschließlich des Gehirns, aus dem sich auch in diesem Modell das ICH-Bewusstsein (als auch das SELBST-Bewusstsein) ableitet
3 Das Bild vom Goldfisch im Becken stimmt insofern nicht ganz