1. 27. Quantität im Prozess

Gegenstand unserer bisherigen ontologischen Analysen waren die Qualitäten von Prozessen. Sind im Rahmen dieses Modells darüber hinaus auch Aussagen über die Intensität der Prozesse, über die Quantität der betrachteten Dynamiken möglich? Im Reich der RESSOURCEN ist diese Frage leicht zu beantworten:
Energie“ als das Vermögen zur Veränderung kann quantifiziert werden. Auch materielle Substanzen als „gefrorene“ Energie lassen sich wiegen und zählen. In den imaginären Reichen werden aus dem physikalischen Zugriff auf Ressourcen Vereinbarungen über Zugriffsrechte in Form von Geld oder Verträgen - abgekoppelt von der wirklichen Energie oder Substanz selbst.
In den reellen Reichen und im SEIN lässt sich die Energie von der Information nicht trennen. Alle Strukturen unterscheiden sich durch ihre Form oder ihren strukturellen Kontext immer auch qualitativ voneinander. Vollständig gleichartige Formen, also Messbares oder Zählbares, würden in diesen Reichen eine Einheit bilden. Eine Annäherung an die Kategorie der Quantität in reellen Reichen gelingt nur in Verbindung mit ihrer Qualität, wie es auch bei Gefühlen immer der Fall ist. Eine einheitliche Währung oder Maßeinheit der Intensität der Dynamiken existiert in den reellen Reichen nicht. Eine Annäherung an die Quantität von Gefühlen kann nur intuitiv gelingen:

Kann man das Maß des Friedens messen? Seine Reinheit, seine Leere?

Was ist das Maß der Liebe? Ihre Tiefe? Ihre Wonne? Ihre Hingabe im Reich der PERSONALITÄT?

Kann man die Souveränität einer Person messen? Ihre Abgeschiedenheit? Ihre Zentriertheit?

Kann man die Leidenschaft messen, die entsteht, wenn die Souveränität sich an der Objektivität des Regelreiches bricht?

Erst, wenn die Leidenschaft den physikalischen Körper mit Lebensenergie in materieller Form speist, wird ihre Quantität messbar. In der Folge der Reiche gesehen, ist messbare Energie nur ein Schatten der Leidenschaft, wie Leidenschaft ein Schatten der Souveränität ist und Souveränität ein Schatten der Liebe zu sich selbst.

Die Auffassung, dass Güte mit Schwäche einhergeht, entspringt der hohen Bewertung des Bleibens gegenüber dem Erschaffen und Vergehen. Ein Festhalten am Bleiben kann aber ebenso ein Zeichen von Dysbalance sein wie ein Festhalten an den Qualitäten der Vernichtung oder der Neuschöpfung. Jede Form von Dysbalance führt zur Schwächung der Leidenschaft, der Liebe und des Friedens. Auch eine Unfähigkeit zur Ausrichtung aller Beziehungen auf unser SELBST und auf das SEIN führt zu mangelnder Abgrenzung gegen andere Personen in Form von Ruhmsucht, Machtsucht oder dem Helfersyndrom. Diese Leidenschaften, die aus Dysbalancen entstehen, erscheinen uns stark, doch sie sind dämonisch. Sie halten die Dysbalance aufrecht und haben keine Kraft, die Welt zu ordnen. Sie führen letztendlich in die tieferen Reiche, bis das Leid uns zur Umkehr zwingt.

Wenn die Energie auf den genannten Ebenen der Reiche in uns fließt, bemerken wir sie in der Regel nicht. Was unserer Aufmerksamkeit aber nie entgeht, ist ein entstehender Mangel an Energie, eine frustrierende Blockade oder die lustvolle Auflösung von Blockaden bzw. Mangelzuständen. So wie sich Touristen an spektakulären Wasserfällen versammeln und dem ruhig dahinfließenden Strom wenig Beachtung schenken, organisieren wir unser Leben um die Wasserfälle unserer Energieflüsse herum. Solange wir die Lust des Wechselns zwischen Mangel und Überfluss genießen wollen, werden wir die Schönheit und den Frieden der ruhig in sich fließenden Energie nicht suchen.
Doch was unser Leben speist, ist dieser ruhige Fluss, der aus dem SEIN entspringt und sich in den reellen Reichen in den primären Elementen der Triaden zeigt: Im Reich der EXISTENZ als Werden, im Reich der PERSONALITÄT als Mutterschaft und im Reich der REGELN als unsere Subjekt-haftigkeit - jeweils primär gegenüber den sekundären formgebenden Beschränkungen des Vergehens, der Vaterschaft und der Objekthaftigkeit.

Die „große Entspannung“ sei der Austritt der fließenden Energie aus einem Reich in das betreffende SUB-Reich genannt. Dies passiert beim Entschluss sich zu engagieren, bei der Entscheidung zu einer Handlung, einer Handlung (insb. mit sozialer Relevanz), bei Übernahme einer Funktion in der Gesellschaft oder bei Erklärung eines Krieges oder Markteintritts. In allen Fällen erfolgt ein Abstieg in das betreffende SUB-Reich mit anschließender Bindung an das Reich durch Identifikation mit der nun dort weiterfließenden Quell-Energie..

„Kleine Entspannungen“ erfolgen, wenn die Energie innerhalb eines Reiches von einem Triadenelement in das nächste fließt (1 > 2 > 3). Durch die Verteilung der Energie auf ein weiteres Triadenelement sinkt die Disbalance und eine Verbindung vom vorgelagerten Reich wird bewusst:

Wird im Reich der PERSONALITÄT ein Partner gefunden, öffnet sich die Verbindung zum Reich der EXISTENZ, der Wunsch nach Bleiben kommt auf und das Gefühl der EXISTENZ, die Liebe wird erlebbar. Da das Reich der Existenz überpersönlich ist, neigen die neuen Partner dazu, sich nicht mit den Namen ihrer Person anzusprechen, sondern benutzen Nicht-Namen (Kosenamen). Ähnliches geschieht, wenn beim Übergang zum 3. Triadenelement ein Kind entsteht.

Ebenso werden bei Phasenübergängen im Reich der REGELN Eigenschaften der Personalität bewusst und ggf. veränderbar. Z.B. bei der Erkennung der eigenen Person als Objekt während der Pubertät und der Annahme oder Entscheidung für sein Lebensgesetz (Charakter).

Bei Phasenübergängen im Reich der RESSOURCEN (Entscheidungen, Beginn von Planung..) wird die vorgelagerte Motivation bewusst u.s.w.

Wenn die weiter fließende Quell-Energie die jeweiligen Triadenelemente bzw. Prozessphasen unter Spannung setzt, schließen sich diese temporären Zugänge wieder1.


1 Eine Änderung in den vorgelagerten Reichen wird durch kulturelle Besetzung von Phasenübergängen oft versucht zu verhindern.

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